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Einkauf und Kosten

Was kostet ein Freelancer? Wie Tagessätze entstehen und was Auftraggeber beachten sollten

WorkGenius Team
WorkGenius Team Redaktion, WorkGenius
15. Oktober 2026 | 5 Min. Lesezeit
Was kostet ein Freelancer? Wie Tagessätze entstehen und was Auftraggeber beachten sollten

"Was kostet ein Freelancer?" ist die Frage, die wir am häufigsten hören. Eine seriöse Pauschalantwort gibt es nicht, aber es gibt eine nachvollziehbare Logik dahinter. Dieser Beitrag zeigt, woraus sich ein Tagessatz zusammensetzt, warum er über dem internen Stundenlohn liegen muss und wie Sie ein Angebot bewerten, ohne nur auf die Zahl zu schauen.

Warum es keine Pauschalantwort gibt

Ein Tagessatz ist kein Preisschild für eine Ware, sondern das Ergebnis aus Knappheit, Risiko und Kostenstruktur. Zwei Entwickler mit gleicher Berufsbezeichnung können sich im Satz deutlich unterscheiden, weil Spezialisierung, Branchenerfahrung, Projektdauer, Einsatzort und Dringlichkeit verschieden sind. Wer eine belastbare Zahl braucht, braucht deshalb immer den konkreten Bedarf, nicht die Berufsbezeichnung.

Was im Tagessatz eines Selbstständigen steckt

Der wichtigste Denkfehler im Einkauf ist der direkte Vergleich mit einem internen Stundenlohn. Ein Selbstständiger trägt Kosten, die bei Angestellten der Arbeitgeber übernimmt. Drei Punkte ergeben sich direkt aus dem Gesetz:

  • Keine Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Der Anspruch auf Fortzahlung "bis zur Dauer von sechs Wochen" steht Arbeitnehmern zu (§ 3 Abs. 1 EntgFG). Wer selbstständig ist und krank wird, verdient nichts.
  • Kein bezahlter Urlaub. Der gesetzliche Mindesturlaub von 24 Werktagen gilt für Arbeitnehmer (§ 3 Abs. 1 BUrlG). Freie Tage eines Selbstständigen sind unbezahlte Tage.
  • Keine Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Bei Beschäftigten teilen sich Arbeitgeber und Beschäftigte die Beiträge grundsätzlich je zur Hälfte (§ 249 Abs. 1 SGB V). Selbstständige tragen ihre Absicherung selbst.

Hinzu kommt: Bestimmte Selbstständige sind in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherungspflichtig, etwa wenn sie regelmäßig keinen versicherungspflichtigen Arbeitnehmer beschäftigen und "auf Dauer und im Wesentlichen nur für einen Auftraggeber tätig sind" (§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI). Auch dieser Beitrag steckt im Satz.

Nicht im Gesetz, aber in jeder realistischen Kalkulation stehen außerdem: Zeiten ohne Auftrag, Akquise und Angebotserstellung, Weiterbildung, Hardware und Lizenzen, Versicherungen, Buchhaltung und Steuerberatung sowie Rücklagen für Steuernachzahlungen.

Die Umsatzsteuer gehört nicht in den Vergleich

Auf die Rechnung kommen in der Regel 19 Prozent Umsatzsteuer, denn "die Steuer beträgt für jeden steuerpflichtigen Umsatz 19 Prozent der Bemessungsgrundlage" (§ 12 Abs. 1 UStG). Für vorsteuerabzugsberechtigte Unternehmen ist das ein durchlaufender Posten, weil der Unternehmer die in Rechnung gestellte Steuer als Vorsteuer abziehen kann (§ 15 Abs. 1 UStG). Vergleichen Sie deshalb netto mit netto. Wer brutto gegen internes Gehalt rechnet, rechnet den externen Einsatz künstlich teuer.

Der faire Vergleich: Tagessatz gegen Vollkosten

Die interne Seite der Rechnung haben wir im Beitrag Personalkosten berechnen aufgemacht. Kurz zusammengefasst: Das Statistische Bundesamt weist für Deutschland 29 Euro Lohnnebenkosten je 100 Euro Bruttoverdienst aus, und bezahlte Zeit ist nicht gleich produktive Zeit. Aus 100 Euro Gehalt werden rund 129 Euro Arbeitskosten, die sich auf deutlich weniger produktive Tage verteilen, als das Jahr Kalendertage hat.

Für den Vergleich heißt das:

  • Stellen Sie den Tagessatz netto dem internen Vollkostensatz je produktivem Tag gegenüber.
  • Rechnen Sie beim Freelancer nur die Tage, die er liefert. Urlaub, Krankheit und Leerlauf zahlen Sie nicht.
  • Rechnen Sie bei der Festanstellung die Bindung mit: Sie läuft weiter, auch wenn das Projekt endet.
  • Rechnen Sie dagegen, was intern bleibt: aufgebautes Wissen, dauerhafte Verfügbarkeit, Führungsaufgaben.

Was kostet Ihr Profil wirklich?

Wir nennen Ihnen die realistische Spanne für Ihren Bedarf, statt mit Durchschnittswerten zu arbeiten.

Mit Experten sprechen

Was den Satz nach oben oder unten bewegt

  • Knappheit des Skills. Je seltener das Profil am Markt, desto höher der Satz. Das ist der stärkste einzelne Faktor.
  • Seniorität und Nachweisbarkeit. Belegbare Projekte in vergleichbarer Umgebung schlagen Zertifikate.
  • Projektdauer und Auslastung. Längere Zusagen mit planbarer Auslastung senken das Risiko und damit oft den Satz.
  • Einsatzort. Präsenz vor Ort, Reisezeiten und Reisekosten schlagen sich nieder.
  • Dringlichkeit. Wer übermorgen jemanden braucht, zahlt den Aufschlag für Verfügbarkeit.
  • Verantwortung und Haftung. Mehr Risiko im Vertrag bedeutet mehr Risikoaufschlag im Satz.

Fünf Tipps für Anfrage und Verhandlung

  1. Beschreiben Sie das Ergebnis, nicht die Stunden. Ein klarer Leistungsumfang macht Angebote vergleichbar und hilft zugleich bei der sauberen Abgrenzung.
  2. Fragen Sie Sätze immer netto ab und klären Sie Reisekosten und Spesen im selben Zug.
  3. Definieren Sie den Personentag. Acht Stunden sind üblich, aber nicht selbstverständlich. Schreiben Sie es in den Vertrag.
  4. Handeln Sie über Laufzeit und Auslastung, nicht über den reinen Satz. Planbarkeit ist für beide Seiten mehr wert als ein paar Euro Rabatt.
  5. Verzichten Sie auf Weisungsrechte, die Sie nicht brauchen. Feste Arbeitszeiten und Teampflichten drücken den Satz nicht, erhöhen aber Ihr Risiko bei der Statusfrage. Mehr dazu in unserem Beitrag Scheinselbstständigkeit vermeiden.

Wie WorkGenius dabei unterstützt

In Deutschland vermittelt WorkGenius ausschließlich echte Selbstständige. Statt einer pauschalen Antwort auf die Frage nach dem Preis bekommen Sie:

  • Konkrete Sätze zu Ihrem Bedarf, auf Basis des tatsächlichen Profils statt einer Berufsbezeichnung
  • Vergleichbare Angebote, weil Leistungsumfang und Personentag einheitlich definiert sind
  • Eine Rechnung für viele Freelancer, mit Ausgaben nach Projekt und Fachbereich auswertbar
  • Saubere Verträge, die zur Beauftragung Selbstständiger passen

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen allgemeinen Überblick nach dem Stand vom Oktober 2026 und ersetzt keine Steuer- oder Rechtsberatung. Er nennt bewusst keine pauschalen Marktpreise, weil Tagessätze stark vom Profil, von der Region und von der Projektlage abhängen.

Sprechen Sie mit unseren Experten

Sie wollen für Ihren konkreten Bedarf wissen, was realistisch ist? Unsere Expertinnen und Experten nennen Ihnen die Spanne für Ihr Profil, Ihre Region und Ihre Projektdauer und sagen auch, wenn eine interne Lösung die bessere ist. Sprechen Sie mit unseren Experten oder buchen Sie eine kurze Demo.

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Hannes Wagner

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Erster Mitarbeiter

hannes.wagner@workgenius.com
Leon Warnke

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Director Customer Success & Account Management

leon.warnke@workgenius.com

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